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Das Landgericht Stuttgart hat durch Urteil vom 9. Dezember 2011 – 10 O 134/11 – entschieden, dass die Reparaturkosten, auch wenn sie den Wiederbeschaffungswert um mehr als 130 % übersteigen, dann zu ersetzen sind, wenn der Geschädigte auf Grundlage eines Gutachtens davon ausgehen durfte, dass sich die Reparaturkosten im Rahmen des Toleranzbereichs bis 130 % bewegen werden.

Der Geschädigte ist nicht verpflichtet, von der Reparatur Abstand zu nehmen und den Auftrag zu kündigen, wenn sich aufgrund einer Nachbesichtigung herausstellt, dass der Kostenaufwand höher sein wird, als zunächst kalkuliert. Zwar ist denkbar, dass der Kostenaufwand für die Ersatzbeschaffung und der nach § 649 BGB zu zahlende Betrag in der Summe geringer gewesen wären, als die nun angefallenen Reparaturkosten, doch wäre dieser Weg für den Geschädigten mit Risiken verbunden gewesen. Er wäre im Hinblick auf § 647 BGB Gefahr gelaufen, den Besitz des Fahrzeugs nicht zu erhalten. Auf dieses Risiko muss sich die Geschädigte nicht einlassen, vielmehr ist auch dies dem Risiko des Schädigers zuzuordnen. Der Geschädigte hat Anspruch auf Ersatz seiner vorgerichtlichen Kosten, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind. Der Ansatz der 1,5-Gebühr ist, auch wenn der Ansatz der Mittelgebühr von 1,3 näher gelegen haben mag, nicht zu beanstanden, da dem Rechtsanwalt ein Spielraum von 20 % zusteht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.