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Im zugrundeliegenden Fall waren dem leiblichen Vater durch eine gerichtliche Entscheidung Besuchsrechte zugestanden worden. Als die Mutter den Kontakt mit dem Kind unterband, verhängte das Gericht anstatt des beantragten Ordnungsgeldes in Höhe von 3.000 Euro lediglich eines in Höhe von 300 Euro.

Ein Wechselmodell darf grundsätzlich nicht gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden. Im vorliegenden Fall würde dem Kind ein Wechselmodell eher schaden. Es bestünde die Gefahr, dass die entstehenden Konflikte aufgrund der fehlenden Kommunikation - wenn auch ungewollt – auf dem Rücken des Kindes ausgetragen werden.

Stellt ein Elternteil einen Antrag auf Regelung des Umgangsrechts, so darf das Gericht das Betreiben des Verfahrens nicht von der Zahlung eines Kostenvorschusses abhängig machen. Im Kindschaftsverfahren ist bei der Beurteilung, ob eine unzumutbare Verfahrensverzögerung vorliegt, die eine Untätigkeitsbeschwerde rechtfertigt, auch der Vorrang- und Beschleunigungsgrundsatz des § 155 FamFG in den Blick zu nehmen. Az 6 WF 104/11, Beschluss vom 10.10.2011

Nach § 89 Abs. 4 Satz 1 FamFG trägt der verpflichtete Elternteil die Darlegungs-und Feststellungslast dafür, dass er die Zuwiderhandlung gegen den Umgangstitel nicht zu vertreten hat. Beruft sich der verpflichtete Elternteil auf den entgegenstehenden Willen des Kindes, so muss er im Einzelnen darlegen, wie er auf das Kind eingewirkt hat, um es zum Umgang zu bewegen.

Die deutschen Gerichte weigerten sich, einem Mann den Umgang mit seinem mutmaßlichen leiblichen Sohn zu gewähren. Der rechtliche Vater ist der Ehemann der Kindesmutter. In der Weigerung der Gerichte stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Verletzung von Artikel 8 (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) fest.

Ein Umgangstitel nach § 89 Abs. 1 FamFG soll vollstreckt werden, indem ein Ordnungsmittels gegen den betreuenden Elternteil festgesetzt wird. Das setzt eine hinreichend bestimmte und konkrete Regelung des Umgangsrechts voraus. Dafür ist eine genaue und erschöpfende Bestimmung über Art, Ort und Zeit des Umgangs erforderlich.

Ein Vollstreckungsverfahren nach § 89 FamFG bildet ein selbständiges Verfahren im Sinne von Art. 111 Abs. 1 und 2 FGG-RG. Auf das Verfahren ist neues Recht anzuwenden, wenn es nach dem 31. August 2009 eingeleitet wurde. Auch wenn in einem auf der Grundlage des früheren Rechts ergangenen Umgangsrechtsbeschluss bereits ein Zwangsgeld angedroht worden war, setzt die Vollstreckung nach neuem Recht durch Anordnung von Ordnungsmitteln eine Belehrung nach § 89 Abs. 2 FamFG voraus. Az XII ZB 621/10, Beschluss vom 17.8.2011

Eine Absenkung des in § 45 Abs. 1 Nr. 1 FamGKG vorgesehenen Festwerts von 3.000 Euro kommt allenfalls dann in Betracht, wenn eine ganz besondere, ins Auge fallende, Abweichung von einer durchschnittlichen Kindschaftssache vorliegt Az 10 WF 11/12, Beschluss vom 24.1.2012

Das Kind wurde kurz nach der Geburt vom Jugendamt in Obhut genommen, weil die Mutter drogenabhängig war. Es befindet sich seit dem Alter von drei Monaten in einer Pflegefamilie. Jetzt ist es vier Jahre alt. Der Mutter wird ein Umgangsrecht eingeräumt, und zwar für jeweils 1 bis 1 ½ Stunden an 6 Terminen im Jahr.